Gefangenendilemma

Während des Referendariats schauen wir uns jeden Freitag eine unterrichtspraktische Übung (Upü) an. Diese sollen die Referendare auf die Lehrprobe vorbereiten. Zuschauer sind die Schulleitung, der Fachseminarleiter, der Mentor und die Teilnehmer des jeweiligen Fachseminars. Da können also locker mal 15 Leute hinten in der Klasse sitzen. Jeder Referendar macht in jedem Fach zwei Upüs.

Nach der Stunde gibt es eine intensive Nachbesprechung, und da fängt das Dilemma an.

In der Nachbesprechung prallen unterschiedliche Interessen aufeinander. Der Referendar, der die Upü durchgeführt hat, wir nennen ihn Upüist, befindet sich in einer emotionalen Ausnahmesituation. Er möchte sich nicht vor der Schulleitung blamieren und vom Fachseminarleiter eine gute Bewertung für die Upü haben. Die Schulleitung und der Mentor wollen kennen lernen, wen sie da eigentlich vor sich haben, nette Mentoren wollen Ihr Patenkind vielleicht sogar schützen. Der Fachseminarleiter möchte eine intensive Besprechung der Stunde und hilfreiche und konstruktive Kritik, so dass alle etwas lernen und eine gerechte Note festlegen. Die Teilnehmer des Fachseminars wollen einerseits den Upüisten schützen, damit er bei den anderen gut wegkommt, andererseits aber müssen sie auch Kritik üben, da auch die Aktivität der Upü-Nachbesprechung in ihre eigene Bewertung einfließt. Sie wollen außerdem auch was durch die Nachbesprechung lernen.

Frühstücken wir erstmal die leichten Dinge ab:
Die Schulleitung braucht in der Regel nicht an der Nachbesprechung teilzunehmen und tut dies auch nicht. Die Stunde sagt genug über den Upüisten aus.
Der Mentor will niemand etwas Böses und sagt nur gute Dinge.

Es bleiben nun Upüist, Fachseminarleiter und Fachseminarteilnehmer.

Eine Nachbesprechung läuft in der Regel so ab:
Es beginnt mit einer Positiv-Runde, jeder äußert einen guten beobachteten Sachverhalt. Dies soll den Upüisten positiv motivieren und von der Adrenalinwelle herunterholen. Nun folgt eine phasengeleitete Besprechung. Hier beginnt das Dilemma für die Fachseminarteilnehmer: Sage ich etwas Negatives und wenn ja, was und wieviel?
Auf der einen Seite sollen der Upüist und die anderen Teilnehmer etwas aus den Beobachtungen lernen, so dass negative, aber konstruktive Äußerungen durchaus sinnvoll sind. Andererseits schafft man damit Anknüpfungspunkte für weitere Kritik durch den Fachseminarleiter. Wie weit geht man hier? Es gibt wirklich grottige Upüs, die man nur so zerpflücken kann. Will man dem Upüisten das wirklich antun? Wo hört konstruktive, sachliche Kritik auf und wo fängt verletzendes Verhalten an? Die Grenzen sind fließend, jeder Jeck ist anders und fasst Dinge anders auf.
Entscheidet man sich nun zu schweigen, so bekommt man selbst eine schlechte Note, da man nicht aktiv genug mitgearbeitet hat. Dabei will man doch den Anderen einfach nichts Böses tun. Selbst lernt man leider auch wenig.

Egal was man macht, man macht irgendetwas falsch.

Der Fachseminarleiter sagt, dass er sich durchaus von der Kritik der Teilnehmer beeinflussen lässt, auch wenn er schon einen Notenvorschlag im Kopf hat und erst Stunden später die Note festlegt. Dies macht es für die Teilnehmer nur noch schlimmer, da sie nicht nur um die eigene Note für die Mitarbeit, sondern auch um die Upü-Note für den Upüisten kämpfen müssen, allerdings mit gegenteiligen Mitteln.

Was kann man nun machen?
Auf den Upüisten achten. Manche können mehr ab als andere.
Konstruktiv und fair bleiben.
Kritik als Verbesserungsvorschlag formulieren.
Aufs Bauchgefühl hören.


Wochenplan

Langsam hat sich auch der übliche Wochenablauf herauskristallisiert. Grob zu unterscheiden ist Schul- und Seminarbetrieb.

Es ergibt sich folgender Wochenplan:

Montag: Schule
Dienstag: Schule
Mittwoch: Schule, nachmittags Hauptseminar
Donnerstag: Schule, nachmittags Fachseminar
Freitag: Unterrichtspraktische Übung

Hier ist allerdings eine Menge nicht erfasst, vor allem natürlich die Unterrichtsvor- und nachbereitung. Dazu Korrekturen, Planen, Schüler- und Elterngespräche, Konferenzen etc.

Das Hauptseminar findet im LI statt, die Fachseminare in den Schulen der Fachseminarleiter. Die Fachseminare wechseln wöchentlich. Für WL muss ich an die H3, das ist ein lockerer 15-minütiger Fußmarsch von meiner Schule aus. Mein Fachseminar Deutsch ist an der Fachschule für Sozialpädagogik in Barmbek-Süd. Das ist zwar keine Weltreise, aber auch nicht grade verkehrsgünstig.

Am Freitag finden die Unterrichtspraktischen Übungen (upÜ) statt, auch als Vorführstunden bekannt.


Fachseminar Wirtschaft

Sonntag, 09.11.2008 | Kategorie: Fachseminar Wirtschaft |

Donnerstag stand das erste Fachseminar Wirtschaft an. Die Schule liegt praktischerweise in der Nähe und ist gut zu erreichen.

Das Seminar ist rollierend, dh Referendare aller Einstellungstermine arbeiten zusammen. Die Novizen lernen von den alten Hasen, prima Einteilung.

Wir haben besprochen, wie der Entwurf einer unterrichtspraktischen Übung zu gestalten ist. Dazu mal wieder: Kennenlernspielchen.

Schön, mal wieder so viele bekannte Gesichter zu sehen.