Ein bunter Strauß an Prüfungsthemen

Mittwoch, 20.01.2010 | Kategorie: Kollegen, Prüfung | Tags: ,

Momentan laufen bei uns die Lehrproben, also wohl geplante Prüfungsstunden, und natürlich reden wir viel darüber. Das führt häufig zu Dialogen wie:

A: “Was machst Du in Wirtschaft?”
B: “Kaufvertrag. Und bei Dir in Sport?”
A: “Rückenschmerzen. Und was machste in Ernährung?”
B: “Frühstücksbuffet. In Holz?”
A: “Drechseln von Kirschbaum”.

Unser Fächer und damit auch unsere Prüfungsthemen unterscheiden sich bei uns Berufsschulreferendaren stark von den Kollegen der Allgemeinbildung. Meine Top Ten an Prüfungsthemen:

1. Fleckenentfernung
2. Gewindefräsen
3. Ermittlung von Versicherungsbedarf
4. Milch
5. Speisekartenrechtschreibung
6. Basteln aus Resten
7. Scheckwechsel
8. Bilanzanalyse
9. Zahnsteinentfernung
10. Konstruktion eines Bilderrahmens

Alles bunt und breit gefächert. Ich muss  mich selbst immer wieder am Riemen reißen, manche Themen ernst zu nehmen. Aber ich kenne ja die meisten Bildungsgänge dahinter nicht, so ist zB Fleckenentfernung für Hotelkaufleute natürlich wichtig. Mein Thema ist auch dabei und es manche Kollegen schauen auch mich dafür auch schief an.

Besonders spaßig ist es, wenn wir obigen Dialog vor den Kollegen der allgemeinbildenden Schulen abhalten. Viele wissen gar nicht, dass es uns Berufler überhaupt gibt und wundern sich, dass man mit solchen Themen eine Lehrprobe machen kann. Da ist er wieder, der Clash of Cultures. Aber sonst ist alles ok.


Whiteboardschwamm ist der neue Schlüssel

Mittwoch, 05.08.2009 | Kategorie: Kollegen, Netzkram | Tags: ,

Link: Headshot

Wie unsouverän.


Mein erstes Halbjahr – was ich gelernt so habe

Sonntag, 26.07.2009 | Kategorie: Kollegen, LI, Schüler, Unterricht, Unterrichtspraktische Übung |

Nach dem ersten Halbjahr mit bedarfsdeckendem Unterricht und knapp zehn Tagen Zeit fürs Verdauen:
Was ich so gelernt habe.

1 Unterricht ist nur begrenzt planbar
2 Der Medienwagen ist lange vorher zu reservieren
3 Schüler sind auch nur Menschen
4 Aufsicht führen ist anstrengend
5 Anfängliche Skepsis von Schülern gegenüber Methoden weicht schnell Begeisterung
6 Viele offene Türen warten darauf, eingerannt zu werden
7 Wenn es heißt “Das Landesinstitut hat für Sie ein Kompaktseminar organisiert”, sind die Veranstaltungen in der Regel Zeitverschwendung
8 Schüler haben einen ausgefeilten Gerechtigkeitssinn
9 Korrigieren ist nicht so meine Stärke
10 Bei einer Reihe von Referaten wird die Qualität aller Referate durch das erste Referat beeinflusst
11 Ich sollte mir öfter auf die Zunge beißen, anstatt zu antworten
12 Weniger Stoff, diesen dafür intensiver behandeln
13 Freistunden lassen sich prima mit einer Partie Schach füllen
14 Freistunden: 3 am Stück sind nicht schön
15 Unterrichtsbesuche sind machbar
16 Darstellendes Spiel ist ein gesuchtes Fach
17 Die gemischten Seminargruppen mit anderen Schulformen sind sehr ertragreich
18 Schulgebäude sind … ach, lassen wir das
19 Es ist ne Menge Arbeit
20 Es macht aber schon viel Spaß. Fast alles.


Verzweiflung als didaktische Methode

Samstag, 11.07.2009 | Kategorie: Kollegen, Netzkram | Tags:

Ein Autor trifft in der Bahn eine ehemalige Mitschülerin nach dreißig Jahren wieder. Schnell sind sie bei Anekdoten aus der Schulzeit und noch schneller beim gefürchteten Lehrer für Französisch und Italienisch, Dr. Blass.

Die Erinnerungen gehen kaum aus seinem Kopf, also beschließt der Autor Kontakt mit Blass aufzunehmen und ihn über die Schulzeit und deren heutige Erinnerungen zu befragen.

Es kommt zum Gespräch zwischen den beiden, welches nun hier zu finden ist.

Ich finde diese Interview aus verschiedenen Gründen interessant.
Es zeigt das Selbstverständnis eines Teils einer ehemaligen Lehrergeneration, die heute kaum noch in dieser Form an den Schulen ist. Streng. Launisch. Diktatorisch.
Darüber hinaus zeigt sich ein sehr gebildeter Mensch, der scheinbar alltägliche Situationen mit philosophischen und literaturhistorischen Beispielen und Erklärungen verbinden kann. Sowas liebe ich.
Seine Begründungen für didaktische Maßnahmen sind zwar an manchen Stellen veraltet, aber seine Begründung für extreme Standpunkte, nämlich so erst das Denken der Schüler anzuregen, finde ich interessant. Das habe ich auch schon mehrfach versucht, aber leider nicht ausreichend hinbekommen. Er nennt es “Verzweiflung als didaktische Methode”.
Dass der Lehrer noch nach 30 Jahren so präsent bei den ehemaligen Schülern ist, wundert mich gar nicht. Im Nachhinein erinnern wir uns an besonders gute und besonders strenge Lehrer. Diese prägen uns im besonderen Maße als aalglatte Pauker.

Jetzt ist aus dem Linktipp viel mehr geworden, als geplant.


Liegt im Fach

Samstag, 20.06.2009 | Kategorie: Kollegen, Schule | Tags: ,

Das Lehrerzimmer ist ja für Außenstehende ein Mysterium und Neulinge müssen sich an gewisse Möbel, Marotten und Umgangsformen gewöhnen.

Schon beim Betreten des Lehrerzimmers fallen die Lehrerfächer ins Auge und spätestens bei der ersten Schüleranfrage “Können Sie das bitte Herrn Hotzenplotz ins Fach legen?” steht man staunend davor.

Nachdem man nun lange das Fach gesucht hat (denn nicht alle Namen sind in alphabetischer Order angebracht) steht man vor einem Problem: Der Kollege ist ein Fach-Messi und es ist nicht möglich, auch nur ein einziges weiteres Blatt Papier unterzubringen. Auf zu einer Typologie der Fachnutzer.

Der Sauberling: Das Fach ist sein realer E-Mail-Eingang. Jeder neue Eingang wird sofort herausgenommen und bearbeitet. Selten bleiben Dokumente länger als 90 Minuten im Fach liegen. Er würde das Fach am liebsten auch täglich auswischen, damit nichts seine heiligen Unterlagen beschmutzt. Der Krankheitsstand in Tagen lässt sich an den Eingängen im Fach ablesen.

Der Einmal-im-Monat-Reinschauer: Er ist immer gestresst und hat daher auch nie Zeit für sein Fach. Sollte sich doch mal eine wichtige Nachricht in sein Fach verirren und er wird wiederholt daran erinnert, sieht man ihn stundenlang den angestauten Posteingang sortieren. Die wichtige Nachricht lag ganz unten.

Der Messi: Er sichtet zwar regelmäßig den Posteingang, legt allerdings alle Nachrichten wieder zurück. Sein Fach quillt über und lässt sich nur mit weiteren Eingängen bestücken, wenn das darüber liegende Fach angehoben wird. Er leert das Fach nur zwei mal im Halbjahr.

Der Lagerist: Im Unterschied zum Messi lagert er nicht seine Posteingänge, sondern jeden anderen Kram in seinem Fach. Stifte, Zeitungen, Musikinstrumente, Squashbälle, Kleidungsstücke. Kollegen sind regelmäßig damit beschäftigt, sein herausgefallenes Sammelsurium ins Fach zurückzustopfen.

Der Neugierige: Er gehört meist zu den Sauberlingen. Er achtet nicht nur auf sein Fach, sondern geht regelmäßig auf Kontrolltour, um zu sehen welche Nachrichten bei den Kollegen hereingekommen sind. Interessantes Material wird auch gern herausgenommen und gelesen. Lehrerzimmerstasi.


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