Unterrichtsbesuch Deutsch

Den Entwurf gab es ja schon gewordlet, Freitag war der Unterrichtsbesuch im Fach Deutsch. Aufgrund der zahlreichen Gäste musste ich in die Aula der Schule ausweichen. Das klingt dramatisch, allerdings ist die Aula nur eine eskalierte Abstellkammer.

Thema der Stunde war der Umgang mit schwierigen Kunden. Wie reagiere ich als Bankberater auf zurückhaltende, meckernde, dauerredende Kunden? Die Schüler haben dazu kleine Rollenspiele erarbeitet, die wir dann gemeinsam angeschaut und ausgewertet haben. Dazu hatte ich ein kleines Setting mit einem Arbeitsplatz geschaffen.

Es lief gut. Die Schüler haben ein beachtliches kreatives Potential gezeigt und die Rollenspiele gut ausgefüllt. Die anschließenden Präsentationen zu der Gesprächsstrategie sind auch gut gelungen. Abschließend haben wir dann die bisher betrachteten Aspekte zur Gesprächsführung angesehen und bepunktet.

Zu Gast war meine Schulleiterin und das Fachseminar Deutsch inkl. Seminarleiterin. Die Aula bot den 15 Gästen ausreichend Platz. In der Nachbesprechung wurde vor allem moniert, dass der Beobachtungsauftrag für die anderen Schüler präziser gefasst sein muss. Ok, kann ich mit leben. Beobachtungsaufträge vergeben wir schulintern erst im nächsten Schulblock, daher ist das für mich in Ordnung. Ansonsten kam eher Detailkritik, aber trotzdem mit Potential nach oben. Das ist auch gut so.

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Die Kundentypen und die darauf aufbauende Gesprächsstrategie

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Die Gesprächssituation mit Metaplanwänden (Ja, es ist die Aula)

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Unsere Aspekte der Gesprächsstrategie mit Bepunktung durch die Schüler

Nun langt es aber auch mit Unterrichtsbesuchen. Ich unterschätze regelmäßig die Orga drumherum, die mich fast mehr schlaucht als der Unterricht selbst. Im September geht es dann weiter mit Besuchen.


Gefangenendilemma

Während des Referendariats schauen wir uns jeden Freitag eine unterrichtspraktische Übung (Upü) an. Diese sollen die Referendare auf die Lehrprobe vorbereiten. Zuschauer sind die Schulleitung, der Fachseminarleiter, der Mentor und die Teilnehmer des jeweiligen Fachseminars. Da können also locker mal 15 Leute hinten in der Klasse sitzen. Jeder Referendar macht in jedem Fach zwei Upüs.

Nach der Stunde gibt es eine intensive Nachbesprechung, und da fängt das Dilemma an.

In der Nachbesprechung prallen unterschiedliche Interessen aufeinander. Der Referendar, der die Upü durchgeführt hat, wir nennen ihn Upüist, befindet sich in einer emotionalen Ausnahmesituation. Er möchte sich nicht vor der Schulleitung blamieren und vom Fachseminarleiter eine gute Bewertung für die Upü haben. Die Schulleitung und der Mentor wollen kennen lernen, wen sie da eigentlich vor sich haben, nette Mentoren wollen Ihr Patenkind vielleicht sogar schützen. Der Fachseminarleiter möchte eine intensive Besprechung der Stunde und hilfreiche und konstruktive Kritik, so dass alle etwas lernen und eine gerechte Note festlegen. Die Teilnehmer des Fachseminars wollen einerseits den Upüisten schützen, damit er bei den anderen gut wegkommt, andererseits aber müssen sie auch Kritik üben, da auch die Aktivität der Upü-Nachbesprechung in ihre eigene Bewertung einfließt. Sie wollen außerdem auch was durch die Nachbesprechung lernen.

Frühstücken wir erstmal die leichten Dinge ab:
Die Schulleitung braucht in der Regel nicht an der Nachbesprechung teilzunehmen und tut dies auch nicht. Die Stunde sagt genug über den Upüisten aus.
Der Mentor will niemand etwas Böses und sagt nur gute Dinge.

Es bleiben nun Upüist, Fachseminarleiter und Fachseminarteilnehmer.

Eine Nachbesprechung läuft in der Regel so ab:
Es beginnt mit einer Positiv-Runde, jeder äußert einen guten beobachteten Sachverhalt. Dies soll den Upüisten positiv motivieren und von der Adrenalinwelle herunterholen. Nun folgt eine phasengeleitete Besprechung. Hier beginnt das Dilemma für die Fachseminarteilnehmer: Sage ich etwas Negatives und wenn ja, was und wieviel?
Auf der einen Seite sollen der Upüist und die anderen Teilnehmer etwas aus den Beobachtungen lernen, so dass negative, aber konstruktive Äußerungen durchaus sinnvoll sind. Andererseits schafft man damit Anknüpfungspunkte für weitere Kritik durch den Fachseminarleiter. Wie weit geht man hier? Es gibt wirklich grottige Upüs, die man nur so zerpflücken kann. Will man dem Upüisten das wirklich antun? Wo hört konstruktive, sachliche Kritik auf und wo fängt verletzendes Verhalten an? Die Grenzen sind fließend, jeder Jeck ist anders und fasst Dinge anders auf.
Entscheidet man sich nun zu schweigen, so bekommt man selbst eine schlechte Note, da man nicht aktiv genug mitgearbeitet hat. Dabei will man doch den Anderen einfach nichts Böses tun. Selbst lernt man leider auch wenig.

Egal was man macht, man macht irgendetwas falsch.

Der Fachseminarleiter sagt, dass er sich durchaus von der Kritik der Teilnehmer beeinflussen lässt, auch wenn er schon einen Notenvorschlag im Kopf hat und erst Stunden später die Note festlegt. Dies macht es für die Teilnehmer nur noch schlimmer, da sie nicht nur um die eigene Note für die Mitarbeit, sondern auch um die Upü-Note für den Upüisten kämpfen müssen, allerdings mit gegenteiligen Mitteln.

Was kann man nun machen?
Auf den Upüisten achten. Manche können mehr ab als andere.
Konstruktiv und fair bleiben.
Kritik als Verbesserungsvorschlag formulieren.
Aufs Bauchgefühl hören.


Wochenplan

Langsam hat sich auch der übliche Wochenablauf herauskristallisiert. Grob zu unterscheiden ist Schul- und Seminarbetrieb.

Es ergibt sich folgender Wochenplan:

Montag: Schule
Dienstag: Schule
Mittwoch: Schule, nachmittags Hauptseminar
Donnerstag: Schule, nachmittags Fachseminar
Freitag: Unterrichtspraktische Übung

Hier ist allerdings eine Menge nicht erfasst, vor allem natürlich die Unterrichtsvor- und nachbereitung. Dazu Korrekturen, Planen, Schüler- und Elterngespräche, Konferenzen etc.

Das Hauptseminar findet im LI statt, die Fachseminare in den Schulen der Fachseminarleiter. Die Fachseminare wechseln wöchentlich. Für WL muss ich an die H3, das ist ein lockerer 15-minütiger Fußmarsch von meiner Schule aus. Mein Fachseminar Deutsch ist an der Fachschule für Sozialpädagogik in Barmbek-Süd. Das ist zwar keine Weltreise, aber auch nicht grade verkehrsgünstig.

Am Freitag finden die Unterrichtspraktischen Übungen (upÜ) statt, auch als Vorführstunden bekannt.


Erstes Fachseminar Deutsch

Dienstag, 18.11.2008 | Kategorie: Fachseminar Deutsch |

Hier kann man sich wohlfühlen.

Im Fachseminar Deutsch sind wir ca. 16 Referendare. Die Begrüßung war so, wie ich es mir vorstelle: Informativ und trotzdem persönlich und herzlich. Neben den üblichen Kennenlernspielchen gabs kleine Geschenke für einen guten Start ins Referendariat:

Da haben wir: Klebepunkte, Magneten, Nadeln, Haftzettel, eine Badelotion (!), Streichhölzer für die zündende Idee, Kreide, Stifte (natürlich war rot dabei) und BluTack.

Natürlich gings danach auch fachlich los. Ich habe hier ein sehr gutes Gefühl.