Besuch im Thalia-Theater: Nathan der Weise

Mittwoch, 11.11.2009 | Kategorie: Deutsch | Tags:

Zum ersten Mal ins Theater. Zumindest mit der Schule.

Die Epoche der Aufklärung läuft bei uns traditionell über den ollen Nathan von Lessing. Und weil die Zeit drückte, habe ich mich auf die Ringparabel beschränkt. Die Klasse hatte trotzdem Lust, sich das Stück im Theater anzusehen.

Meine Überlegung aus Lehrersicht: Nettes Stück, leicht verständlich. Lehrreich. Klassisch. Gut zum Einstieg. Und dann auch noch im Thalia. Die Ankündigung vom Theater und die Rezension im Hamburger Abendblatt waren positiv. Also: auf gehts.

War aber nicht gut. Das Stück war modern interpretiert, was ich an sich nicht schlimm finde. Problematisch war die Einflechtung eines Gegentextes von Elfriede Jelinek, der genau das Gegenteil von Nathan aussagt. Also nicht Toleranz, Freiheit, Offenheit. Sondern Zerstörung, Misstrauen, Abgeschiedenheit. Leider war nicht immer klar, wann nun eigentlich welches Stück gespielt wird und dies hat verwirrt. Dazu kam eine Meta-Ebene: Das Stück war von Lessing nie zur Aufführung bestimmt und dies wurde ebenfalls umgesetzt: Die Schauspieler sprachen ihre Texte größtenteils über Mikrofone und agierten mit Textbüchern. Sie regten sich an manchen Stellen über diesen Text auf und spielten so auf die Rezeptionsgeschichte an.

Wir waren nach dem Stück sehr enttäuscht. Die Schüler hatten eine klassische Aufführung erwartet und haben moderne Interpretationen mit Theater für Profis bekommen. Hoffentlich habe ich sie nicht für das Theater vergrault. Nächster Versuch: “Die Räuber”.


Lesetagebuch und ein bisschen Jan Delay

Sonntag, 11.10.2009 | Kategorie: Deutsch, Und so. | Tags: , ,

Nach knapp sechs Wochen Unterricht haben wir uns schon wieder die Ferien verdient. Zum Glück habe ich mein Debakel beim Unterrichtsbesuch schon verdaut, so dass ich mich neuen Aufgaben widmen kann.

Mein Deutsch-LK liest nun über die Ferien “Die Räuber”, das ist Abithema. Dazu erstellen sie ein Lesetagebuch. Nicht weil ich daran so viel Spaß hätte, sondern damit sie bei der akuten Abivorbereitung in eineinhalb Jahren ein Nachschlagewerk haben. Dabei ist es auch nur ein Lesetagebuch light: Sie sollen Personen, Ort, Handlung und Funktion der Szenen aufschreiben. Wir sind ja nur auf der Ebene der Beschreibung, ohne Interpretation. Da wäre noch eine Menge denkbar, zB Figurenentwicklung, Thema “Gerechtigkeit”, Bruch mit der Vaterwelt, Rebellentum undsoweiterundsofort. Wir fahren mit der einfachen Version erstmal ganz gut. Ich bin sehr gespannt, was die Klasse so fabriziert. Aber ich bin ja immer gespannt.

Zur Einstimmung auf die Ferien war ich beim zweitgrößten Hamburger Styler nach Udo Lindenberg: Jan Delay.
Ich liebe seine Musik und mag seine Liveshows. Das Konzert war die Generalprobe für seine Tour vor knapp 700 Leuten und mit viel Publikumsbeteiligung: “Wie fandet ihr das?” “Ist das Licht ok?” “Wie findet ihr die Version des Songs?” Es war einfach unterhaltsam, auch weil die Band immer wieder Klassiker und Mashups einstreut und dazu noch schöne Publikumsaktionen macht wie hier bei Rock am Ring:


(DirektFreeze)

Da ist doch gleich ein gewisser Erholungswert zu spüren.


Kurse 09/10

Ich freue mich sehr auf das folgende Halbjahr, da ich unter meinen Kursen zwei Sahnestücke habe:

- Wahlpflichtkurs “Versicherungen” bei den angehenden Bankkaufleuten
- Leistungskurs Deutsch in der zwölften Klasse am Wirtschaftsgymnasium

Das hört sich vielleicht nicht spektakulär an, ist es für mich aber. Mit dem Wahlpflichtkurs “Versicherungen” besetze ich ein schönes Alleinstellungsmerkmal. Ich bin ja gelernter Versicherungskaufmann und dieses Thema wird bei den Banken immer wichtiger. Die Banken arbeiten vermehrt mit Versicherungen zusammen und bieten so Produkte aus einer Hand an. (Manchmal auch andersrum: Dann bieten Versicherungen Bankprodukte an. Kann aber auch schiefgehen, siehe Allianz/Dresdner Bank.) Und genau diese verbunden Produkte kann ich unseren Bänkern nahe bringen. Da freue ich mich drauf und bin gespannt, ob der Wahlpflichtkurs gut angenommen wird.
Dazu freue mich auf den Leistungskurs Deutsch. Hier in Hamburg heißt das nun “Deutsch auf erhöhtem Niveau”, ist aber alter Wein in neuen Schläuchen. Und dass ich als Referendar diesen Kurs machen darf, empfinde ich als Anerkennung. Das erste Semesterthema (=Abithema) ist “Die Räuber” von Schiller. Wir fangen bei der Aufklärung an, streifen dann kurz “Iphigenie auf Tauris” von Goethe und setzen uns dann mit den Räubern auseinander. Ich freue mich sehr drauf, in den Ferien habe ich mich ausführlich mit Materialien beschäftigt. Durch das Zentralabitur schreiben wir am Wirtschaftsgymnasium die gleiche Abiprüfung wie die allgemeinbildenen Schulen.

Alles ganz schön aufregend hier. Pack mers.


Freiflug

Dienstag, 14.07.2009 | Kategorie: Deutsch | Tags: ,

freiflug

Kurz vor den Ferien werden die Rufe nach Filmen lauter. Die Filmvorschläge der Klasse passten nicht auf meine Vorgaben (keine nackten Menschen, keine Drogen, keine Explosionen), so dass wir in den Freiflug gingen.

Der Freiflug ist eine Methode, um kreatives Handeln zu fördern und die Gruppenarbeitsfähigkeit zu steigern. Dabei muss sich die Gruppe auf das  durchaus lebendige – Geschehen einlassen. Die starke Lehrerlenkung zu Beginn weicht dem kreativen Handeln der Schüler. Dabei fliegen wir in mehreren Stufen:

1. Jeder nimmt ein Blatt Papier und einen Stift. Die Augen werden geschlossen und ein einfaches Bild auf das Blatt gemalt. Es kann ein Thema vorgegeben werden.

2. Die Augen werden geöffnet und die Zeichnung weiter ausgefüllt und verschönert.

3. Zu der Zeichnung werden vier Begriffe assoziiert und auf das Blatt geschrieben.

4. Nun werden Gruppen von 3-5 Personen gebildet. Diese vergleichen die Begriffe und erklären sich gegenseitig die Zeichnungen.

5. Die Gruppe schreibt eine Geschichte aus den Begriffen. Jeder Begriff muss in der Geschichte vorkommen.

6. Die Geschichte wird spielerisch umgesetzt. Hierbei ist von Pantomime über Gesang bis Schattentheater alles möglich. Jedes Gruppenmitglied muss im Stück vorkommen.

7. Anschließend wird die Geschichte nochmals vorgelesen, ebenso die Begriffe. Die Bilder können ausgestellt werden.

Der Zeitaufwand liegt zwischen 45 und 90 Minuten, die Phasen können flexibel gestaltet werden.

Ich mag die Methode sehr, da sie flexibel einsetzbar ist. Gruppen können sich kennen lernen, es können Standpunkte verdeutlicht werden, es kann entfremdend oder im Gegenteil gearbeitet werden und somit Altersunterschiede überwunden werden. Mit geringen Anpassungen wird die Methode immer wieder interessant, zB können zusätzliche Begriffe für die Geschichte wichtig sein oder das Bild muss zu einem bestimmten Thema passen. Da geht viel.

Die Sachinhalte kommen natürlich zu kurz. Aber kurz vor den Ferien oder zu Beginn ist das nicht so wichtig. Baut man allerdings einen thematischen Bezug ein, so kann auch eine intensive Auswertung erfolgen.

Mir und den Schülern hat es Spaß gemacht. Ich kann die Methode sehr empfehlen.

(Das Bild ist von Marfis75)


Unterrichtsbesuch Deutsch

Den Entwurf gab es ja schon gewordlet, Freitag war der Unterrichtsbesuch im Fach Deutsch. Aufgrund der zahlreichen Gäste musste ich in die Aula der Schule ausweichen. Das klingt dramatisch, allerdings ist die Aula nur eine eskalierte Abstellkammer.

Thema der Stunde war der Umgang mit schwierigen Kunden. Wie reagiere ich als Bankberater auf zurückhaltende, meckernde, dauerredende Kunden? Die Schüler haben dazu kleine Rollenspiele erarbeitet, die wir dann gemeinsam angeschaut und ausgewertet haben. Dazu hatte ich ein kleines Setting mit einem Arbeitsplatz geschaffen.

Es lief gut. Die Schüler haben ein beachtliches kreatives Potential gezeigt und die Rollenspiele gut ausgefüllt. Die anschließenden Präsentationen zu der Gesprächsstrategie sind auch gut gelungen. Abschließend haben wir dann die bisher betrachteten Aspekte zur Gesprächsführung angesehen und bepunktet.

Zu Gast war meine Schulleiterin und das Fachseminar Deutsch inkl. Seminarleiterin. Die Aula bot den 15 Gästen ausreichend Platz. In der Nachbesprechung wurde vor allem moniert, dass der Beobachtungsauftrag für die anderen Schüler präziser gefasst sein muss. Ok, kann ich mit leben. Beobachtungsaufträge vergeben wir schulintern erst im nächsten Schulblock, daher ist das für mich in Ordnung. Ansonsten kam eher Detailkritik, aber trotzdem mit Potential nach oben. Das ist auch gut so.

Bilderneu 163

Bilderneu 162

Die Kundentypen und die darauf aufbauende Gesprächsstrategie

Bilderneu 165

Die Gesprächssituation mit Metaplanwänden (Ja, es ist die Aula)

Bilderneu 159

Unsere Aspekte der Gesprächsstrategie mit Bepunktung durch die Schüler

Nun langt es aber auch mit Unterrichtsbesuchen. Ich unterschätze regelmäßig die Orga drumherum, die mich fast mehr schlaucht als der Unterricht selbst. Im September geht es dann weiter mit Besuchen.


Nächste Seite