Nach dem ersten Halbjahr mit bedarfsdeckendem Unterricht und knapp zehn Tagen Zeit fürs Verdauen:
Was ich so gelernt habe.
1 Unterricht ist nur begrenzt planbar
2 Der Medienwagen ist lange vorher zu reservieren
3 Schüler sind auch nur Menschen
4 Aufsicht führen ist anstrengend
5 Anfängliche Skepsis von Schülern gegenüber Methoden weicht schnell Begeisterung
6 Viele offene Türen warten darauf, eingerannt zu werden
7 Wenn es heißt “Das Landesinstitut hat für Sie ein Kompaktseminar organisiert”, sind die Veranstaltungen in der Regel Zeitverschwendung
8 Schüler haben einen ausgefeilten Gerechtigkeitssinn
9 Korrigieren ist nicht so meine Stärke
10 Bei einer Reihe von Referaten wird die Qualität aller Referate durch das erste Referat beeinflusst
11 Ich sollte mir öfter auf die Zunge beißen, anstatt zu antworten
12 Weniger Stoff, diesen dafür intensiver behandeln
13 Freistunden lassen sich prima mit einer Partie Schach füllen
14 Freistunden: 3 am Stück sind nicht schön
15 Unterrichtsbesuche sind machbar
16 Darstellendes Spiel ist ein gesuchtes Fach
17 Die gemischten Seminargruppen mit anderen Schulformen sind sehr ertragreich
18 Schulgebäude sind … ach, lassen wir das
19 Es ist ne Menge Arbeit
20 Es macht aber schon viel Spaß. Fast alles.

Bei der Lieferzeit von nur einer Woche sogar noch vor den Sommerferien einsetzbar.
Unsere Abiturienten sind auf der Zielgeraden und veranstalten eine Mottowoche. Sie ziehen sich jeden Tag unterschiedliche Outfits an und haben so ihren Spaß. Manchmal machen auch einzelne Lehrer dezent mit. Hollywood-Stars, Cowboys, Penner, alles dabei.
Ich laufe, gekleidet und gestylt wie immer, durch das Foyer und ernte plötzlich von Schülerseite Bewunderung für meine vermeintliche Teilnahme am Mottotag. Verwunderung bei mir. Und was war heute Motto?
Hippies.
Thema Erörterung.
Schüler: “Ich finde es nicht gut, als Lösung einen Kompromiss anzubieten. Ich bin mehr für die provokante Vertretung einer Seite.”
Es ist nicht unlustig zu wissen, dass ein Elternteil bei der Bild-Zeitung arbeitet.
Die UpÜ heute in WL war großartig. Es war in einer Handelsschulklasse, also mit eher schwachem Schülerklientel. Allein schon der Wille, hier eine upÜ durchzuziehen, ist bemerkenswert.
Es war eine klassische Stunde: Information, Gruppenarbeit, Präsentation, Sicherung, Vertiefung. Aber dann kam alles anders als gedacht.
Die Schüler haben die Gruppenarbeit erfolgreich gemeistert. Eine Gruppe geht nach vorn und soll präsentieren. Nur leider haben sie ihre Metaplankarten auf dem Tisch liegen gelassen. An sich ja kein Problem, aber dann laufen zwei Schüler schnell zurück und bekommen die Karten durcheinander. Dann stehen sie vorne und wissen nicht mehr, wie sie die Karten anpinnen sollen. Es war nach einer Struktur gefragt. Die Referendarin ist hier nicht zur Hilfe geeilt, sondern hat sie machen lassen. Allerdings konnte die Klasse nicht mehr reproduzieren. Die Referendarin hat dann die didaktische Reserve eingesetzt: Die Schüler sollten die zu zeigende Struktur an einem Beispiel verdeutlichen. Und oh Wunder: Es hat wunderbar funktioniert. Auf einmal war alles wieder da. Nur war der komplette Stundenablauf über den Haufen geworfen.
Die Referendarin hat die letzten 15 Minuten komplett improvisiert. Und das hervorragend. Anstatt über ein Problem hinwegzugehen, hat sie genau dieses Problem aufgegriffen und gemeinsam mit den Schülern gelöst. Dabei hat sie auch noch gute Beispiele gebracht und die Zeit beachtet.
Das hätte so manch erfahrener Lehrer nicht hinbekommen.