Ich freue mich sehr auf das folgende Halbjahr, da ich unter meinen Kursen zwei Sahnestücke habe:
- Wahlpflichtkurs “Versicherungen” bei den angehenden Bankkaufleuten
- Leistungskurs Deutsch in der zwölften Klasse am Wirtschaftsgymnasium
Das hört sich vielleicht nicht spektakulär an, ist es für mich aber. Mit dem Wahlpflichtkurs “Versicherungen” besetze ich ein schönes Alleinstellungsmerkmal. Ich bin ja gelernter Versicherungskaufmann und dieses Thema wird bei den Banken immer wichtiger. Die Banken arbeiten vermehrt mit Versicherungen zusammen und bieten so Produkte aus einer Hand an. (Manchmal auch andersrum: Dann bieten Versicherungen Bankprodukte an. Kann aber auch schiefgehen, siehe Allianz/Dresdner Bank.) Und genau diese verbunden Produkte kann ich unseren Bänkern nahe bringen. Da freue ich mich drauf und bin gespannt, ob der Wahlpflichtkurs gut angenommen wird.
Dazu freue mich auf den Leistungskurs Deutsch. Hier in Hamburg heißt das nun “Deutsch auf erhöhtem Niveau”, ist aber alter Wein in neuen Schläuchen. Und dass ich als Referendar diesen Kurs machen darf, empfinde ich als Anerkennung. Das erste Semesterthema (=Abithema) ist “Die Räuber” von Schiller. Wir fangen bei der Aufklärung an, streifen dann kurz “Iphigenie auf Tauris” von Goethe und setzen uns dann mit den Räubern auseinander. Ich freue mich sehr drauf, in den Ferien habe ich mich ausführlich mit Materialien beschäftigt. Durch das Zentralabitur schreiben wir am Wirtschaftsgymnasium die gleiche Abiprüfung wie die allgemeinbildenen Schulen.
Alles ganz schön aufregend hier. Pack mers.
Das Drama geht weiter:
“Kannst Du mal bitte bei der Präsentation auf -weiter- klicken? Ich komme sonst durcheinander.”
Für viele der Höhepunkt des Tages: Alle versammeln sich erneut in der Aula.
Der Leiter des LI Herr Daschner spricht launige Worte und leitet langsam auf den offiziellen Teil über.
“Ich habe Sie noch auf einige Punkte hinzuweisen…” Damit beginnt einer der besten Gags der letzten Wochen.
“Ich muss Sie auf einige Straftatbestände des StGB hinweisen. Unter anderem auf §120, der die Gefangenenbefreiung verbietet. Das ist jetzt so ein Ding der 68-Generation, Sie wissen schon.”
Wir finden es lustig. Er ist fertig mit seinen Text. “Gibt es Fragen?” Hinten schnellt eine Hand hoch.
“Und was ist, wenn ich einen Gefangenen befreie, bekomme ich dann eine höhere Strafe als Beamter?” Großes Gelächter im Saal. Schon am ersten Tag den Fettnapf ausgelassen und in die Friteuse gehüpft, das habe nichtmal ich geschafft.
Wir sprechen dann die wichtigen Worte.
Und siehe da: Kaum sind wir offiziell Beamte, ist auch schon Feierabend.
Weiter ging es mit einem ängstlichem Blick auf die Liste im Flur: In welchem Hauptseminar bin ich gelandet und gibt es dort bekannte Gesichter? Mein Name stand natürlich auf der letzten Liste, aber zusammen mit einigen anderen Hamburgern.
Der Raum füllt sich langsam, irgendwann sind alle Stühle besetzt. Tür zu, los gehts.
Hier werden wir freundlich von unserem Hauptseminarleiter begrüßt.
Es gibt nun jede Menge Informationen und Material. Am wichtigsten: Eine Jahresübersicht mit fast allen Seminarterminen (gelb heißt unterrichtsfreie Zeit und es ist ziemlich viel gelb…), die Schulzuweisung und die Ernennungsurkunde für das Beamtenverhältnis. Dazu jeweils später mehr.
Wir sind 22 Teilnehmer, ausgeglichenes Männer-Frauen-Verhältnis. Bei der Begrüßungsveranstaltung gabs noch ein deutliches Plus für die Frauen, das liegt wohl an den Grundschulkolleginnen, dort dominieren die Frauen eindeutig. Gut 5-7 Hamburger sind dabei, der Rest scheint wohl aus Quiddjes zu bestehen. Da wir aber noch keine Kennenlernrunde gemacht haben, kommt hier später mehr. Bisher ist mein Eindruck positiv.
Das gilt auch für meinen Hauptseminarleiter, das ist ja unser neuer Chef. Mein erster Eindruck nach gut zwei Stunden: freundlich und kompetent.
Weiter ging es dann wieder in der Aula mit der Einführung in das Beamtenverhältnis.
So, endlich gibt es die Berichte zum ersten Tag.
Teil eins war die Begrüßungsveranstaltung.
Treffen 9 Uhr in der Aula. Im Vorraum stehen dutzende Menschen mitaufgeregt-gespannten Gesichtern. Und bei jedem bekannten Kommilitonen gibt es ein großes Hallo.
Los gehts mit einem Chor. Sie singen “eight days a week” von den Beatles, welch passendes Lied zur Einstimmung.
Dann die eigentliche Begrüßung durch die Leiterin der Abteilung Ausbildung, Frau Dr. Justus und Frau Senatorin Goetsch. Sie war ja auch mal Lehrerin und schwelgt in Erinnerungen. Dass sie die ausländischen neuen Kollegen extra begrüßt, zeigt dass multikulti selbst bei den Grünen noch nicht richtig angekommen ist. Für uns ist das selbstverständlich. In meinem Seminar zur Behördensprache hätte ihre Rede ein n.g.a.g. bekommen.
Zusätzlich wurde die Jüngste Kollegin und zwei Geburtstagskinder besonders begrüßt, sie durften sich einen Blumenstrauß abholen.
Reden über Reden. Dazu die Vorstellung einiger Gesichter. Tut mir Leid, aber ich konnte mir kaum etwas davon merken.
Abgerundet wurde die Veranstaltung von “Mamma Mia” von Abba im Mittelteil und einer Knallerversion von “MfG” von den Fantastischen Vier, umgedichtet auf die Abkürzungen des Referendariats.
BSB, FRS und LI-D
FSL, bsA und BSG
LIZ, LIA und LP
BEP, NWZ und LT
Eine tolle Veranstaltung.