Ende in Sicht
Eingefallene Gesichter, allgemeine Erschöpfung, Termindruck, Stress in der Schule oder zu Hause.
Aber in drei Monaten sind 8,5 Jahre Ausbildung zu Ende.
Eingefallene Gesichter, allgemeine Erschöpfung, Termindruck, Stress in der Schule oder zu Hause.
Aber in drei Monaten sind 8,5 Jahre Ausbildung zu Ende.
Die Bewährung soll das Verhalten der Referendare bewerten und in die Note des Zweiten Staatsexamens einfließen lassen. Es bewerten jeweils die beiden Fachseminarleiter, die Schule und der Hauptseminarleiter. Es gibt einen Katalog mit sieben Bereichen und jeweils zwei bis fünf Kriterien, welche in fünf Abstufungen benotet werden können:
1. Ausbildung im Fachseminar gestalten
2. Sich im System Schule verantwortungsbewusst bewegen
3. Lehrerrolle ausfüllen
4. Unterrichten
5. Erziehen
6. Leistungen der Schülerinnen und Schüler diagnostizieren und bewerten
7. Kooperation an der Schule
Bei diesen Kriterien wird dann zwischen ++, +, +-, – und — gewertet. Als Normvorgabe gilt dabei sogar schon +. Uns wird zwar immer vorgebetet, dass es nicht einer Notenskala gleichkommt, das ist aber in der Praxis so. Die Normalnote ist also eine 2.
Zu den Bereichen:
1. Ausbildung im Fachseminar gestalten
Hier kommt es auf die Mitarbeit im Seminar an. In der Regel muss eine Sitzung gestaltet oder Handlungsprodukte erstellt werden. Manchmal ist es aber auch die einfache mündliche Mitarbeit oder wie wir in der Schule sagen: Laufende Kursarbeit.
2. Sich im System Schule verantwortungsbewusst bewegen
Wird naturgemäß nur von der Schule bewertet. Unterrichtsorganisation, Absprache mit den Mentoren, Mitarbeit in Arbeitsgruppen. Ich deute dies als richtiges Anfängerverhalten, aber auch mit möglichst wenig Aufwand für Leitung und Mentoren.
3. Lehrerrolle ausfüllen
Besonders die Reflexionsfähigkeit wird hier bewertet: Kann ich aus meinem Unterricht geeignete Rückschlüsse ziehen? Ich frage mich, wie die Seminarleiter dies bei je zwei Unterrichtsbesuchen feststellen wollen.
4. Unterrichten
Gilt als wesentlicher Bereich im Bericht, da es das Hauptgeschäft des Lehrers betrifft. Die Seminarleiter bewerten die Unterrichtsbesuche, wobei der zweite Besuch maßgebend ist. Der erste Besuch ist zur Einfindung, der zweite Besuch muss sitzen und fließt hier ein (Umso mehr ärgere ich mich über meinen verpatzten Besuch in Wirtschaftslehre). Es wird uns zwar immer gesagt, dass die Unterrichtsbesuche lediglich beratenden Charakter haben, aber hier zeigt sich das Gegenteil und: Dass auch viel schöngeredet wird.
5. Erziehen
Geht auch in den vorigen Bereich, wobei ich die Beurteilung anhand je zweier Unterrichtsbesuche wirklich schwierig finde. Die Schüler sind nunmal in den Besuchen aufgeregt und ganz anders als im normalen Unterricht, wie soll da zB die Atmosphäre oder die “Erziehung zu Toleranz und Rücksichtnahme” bewertet werden?
6. Leistungen der Schülerinnen und Schüler diagnostizieren und bewerten
Kann eigentlich auch nur von der Schule bewertet werden, wird aber von den Seminarleitern auch bewertet. Das kann nun wirklich nicht sein. Die Schule hat über die Mentoren einen guten Einblick, aber das wars auch.
7. Kooperation an der Schule
Wird nun auch nur von der Schule bewertet. Die Unterrichtsplanung und die Einfügung ins Schulsystem werden bewertet, zB Vertretungsstunden etc. Macht Sinn.
Die Fachseminarleiter und die Schule senden ihren Bericht nach einer ausführlichen Besprechung mit dem Referendar an die Hauptseminarleitung, welche die Berichte zusammenfasst und zu der Bewährungsnote als Vorschlag kommt. Vor der mündlichen Prüfung befindet dann der Prüfungsausschuss über die Note per Abstimmung. Hier kann es durchaus zu Abweichungen vom Vorschlag kommen, in der Regel zugunsten des Referendars. Dabei orientiert sich die Note meist an der Schule und die anderen Berichte sekundieren. Ist zB der Schulbericht eine 1 und ein Fachseminarbericht ebenfalls eine 1 und die weiteren Berichte eine 2, so wird sich auf eine 1 geeinigt. Natürlich nicht offiziell, das ist alles demokratisch und so.
Die Regelnote ist eine 2. Ausreißer nach unten sind möglich, wobei sich dies in der Regel schon abzeichnet. Nach oben gibts auch ab und zu Abweichungen auf die 1. Die Note geht dann mit 30 % in die Gesamtnote mit ein. Lohnt sich also.
Trotz obiger Kritik zur Bewertungsfähigkeit mancher Kriterien: Ich mag die Bewährung. Sie nimmt den Druck aus den anderen Prüfungen wie zB den Lehrproben, welche auf den Punkt sein müssen. Ist ausgerechnet diese eine Lehrprobenstunde schlecht, so ist die Bewertung zu hart. Die Bewährung wird über einen langen Zeitraum erarbeitet, so dass sie für mich fair zu sein scheint. Ob die Bewerter objektiv sind, ist natürlich eine andere Frage.
Das zweite Staatsexamen wird in Hamburg in fünf Einzelprüfungen abgenommen:
Jede Einzelprüfung hat andere Bewertungskriterien und muss dementsprechend präzise auf diese Kriterien hin vorbereitet werden. Die Gesamtnote setzt sich wie folgt zusammen:
Für jede Einzelprüfung wird eine einzelne Note vergeben, diese werden nach obigem Schlüssel zusammengerechnet. Die Gesamtnoten ergeben sich wie folgt:
1,00 – 1,49 = sehr gut
1,50 – 2,49 = gut
2,50 – 3,49 = befriedigend
3,50 – 4,49 = ausreichend
ab 4,50 = mangelhaft
Für die jeweils bessere Note muss also mehr als die Hälfte der Prüfungen mit der besseren Note absolviert werden. Ein Rechenbeispiel:
Bewährung: 2
Erste Lehrprobe: 3
Zweite Lehrprobe: 3
Hausarbeit: 2
Mündliche Prüfung: 3
Nach dem Verteilungsschlüssel landet der Prüfling genau auf 2,5, also befriedigend. Das ist natürlich unbefriedigend. Für eine gute Gesamtnote müssen mindestens drei Einzelprüfungen mit der besseren Note absolviert werden, wobei sich auch hier die schlechtere Gesamtnote ergeben kann, zB wenn beide Lehrproben und die Hausarbeit die besseren Prüfungsteile sind. Bei Ausreißern nach unten und oben ist diese Faustformel natürlich nicht mehr gültig. Einfacher als die Berechnung der Abinote, aber trotzdem durchschaut es nicht jeder. Die Note ist eines der Einstellungskriterien, also legen wir uns in die Riemen.
Das ist der Start einer kleinen Serie über die Einzelprüfungen. In nächster Zeit folgen weitere Teile:
Eine Lehrprobe habe ich geschafft, die Hausarbeit ist in der Mache und die zweite Lehrprobe steht zumindest gedanklich. Ich bin also ein bisschen im Thema.
Momentan laufen bei uns die Lehrproben, also wohl geplante Prüfungsstunden, und natürlich reden wir viel darüber. Das führt häufig zu Dialogen wie:
A: “Was machst Du in Wirtschaft?”
B: “Kaufvertrag. Und bei Dir in Sport?”
A: “Rückenschmerzen. Und was machste in Ernährung?”
B: “Frühstücksbuffet. In Holz?”
A: “Drechseln von Kirschbaum”.
Unser Fächer und damit auch unsere Prüfungsthemen unterscheiden sich bei uns Berufsschulreferendaren stark von den Kollegen der Allgemeinbildung. Meine Top Ten an Prüfungsthemen:
1. Fleckenentfernung
2. Gewindefräsen
3. Ermittlung von Versicherungsbedarf
4. Milch
5. Speisekartenrechtschreibung
6. Basteln aus Resten
7. Scheckwechsel
8. Bilanzanalyse
9. Zahnsteinentfernung
10. Konstruktion eines Bilderrahmens
Alles bunt und breit gefächert. Ich muss mich selbst immer wieder am Riemen reißen, manche Themen ernst zu nehmen. Aber ich kenne ja die meisten Bildungsgänge dahinter nicht, so ist zB Fleckenentfernung für Hotelkaufleute natürlich wichtig. Mein Thema ist auch dabei und es manche Kollegen schauen auch mich dafür auch schief an.
Besonders spaßig ist es, wenn wir obigen Dialog vor den Kollegen der allgemeinbildenden Schulen abhalten. Viele wissen gar nicht, dass es uns Berufler überhaupt gibt und wundern sich, dass man mit solchen Themen eine Lehrprobe machen kann. Da ist er wieder, der Clash of Cultures. Aber sonst ist alles ok.
Verschobene Lehrproben: 1
Beerdigungen: 1